Es war mal wieder soweit, das erste Turnier in 2007 stand an - der 16. International Germany-Cup in Lübeck am 21. April. Da wir (Sihing Renaldo, Kathi, Conny und ich) am frühen Mittag in Lübeck sein wollten, mussten wir um 5.30 Uhr am Berliner Hauptbahnhof losfahren. Das hieß 3.30 Uhr aufstehen, um zur verabredeten Zeit 4.50 Uhr am Bahnhof zu sein. So war noch genug Zeit, um vor der Abfahrt noch einen Kaffee zu trinken und das Wochenend-Ticket zu holen.
Während der Fahrt wurde über WUN HOP KUEN DO-Kung Fu philosophiert, Geschichten erzählt, gelacht, und wer noch nicht ganz wach war, döste noch ein wenig vor sich hin. In Schwerin, wo wir umsteigen mussten, stieg meine Schwester Yvonne dazu, die schon immer mal ein Turnier sehen wollte, und die Gelegenheit nutzte, auch ein wenig Zeit mit ihrem Bruder zu verbringen.
15 min später in Bad Kleinen ein weiteres Mal umsteigen, in den Bummelzug Richtung Lübeck, wo wir 9.30 Uhr eintrafen. Da noch genug Zeit war, gingen wir noch gemütlich einen Kaffee trinken. Ich hatte immer noch schwer mit der Müdigkeit zu kämpfen und bereitete mich innerlich auf das Turnier vor. Die anderen schienen ganz fit zu sein. Gegen 10.30 Uhr nahmen wir dann den Bus zur Lübecker Hansehalle.
Kaum angekommen, trafen wir auch gleich WHKD-Kämpfer aus der Kung Fu-Acadamy Lübeck von Sifu Michael Timmermann. Da wir rechtzeitig da waren, hatten wir genug Zeit für die Anmeldung und einen Happen leckeren Reissalat, den Conny für den Tag gezaubert hatte. Ich meldete mich für die Klasse Waffenform weiß-grün und Semikontakt grün -blau in den Gewichts-Klassen bis 68 kg und bis 78 kg an.
Kathi hatte sich entschlossen, dieses Mal nur als Zuschauer dabei zu sein, und so konnte sie Conny und Yvonne (beides keine WHKD-Kämpfer) Fragen zum Turnier beantworten, während Sihing Renaldo als Schiedsrichter und Coach unterwegs war und ich in meinen Klassen antrat.
13.00 Uhr ging es dann los. Alle Kämpfer versammelten sich zur Begrüßung. Der Veranstalter, Rasim Cekirge, bekam an dieser stelle den 6. Meistergrad verliehen, inklusive schickem rot-weißen Gürtel. Ich begann dann bald mich locker warm zu machen und mich auf die Präsentation meiner Säbelform vorzubereiten. In der Waffenform-Klasse (weiß-grün) traten ca. 10 Leute an, die meisten davon Grüngurte. Man konnte einige interessante Formen sehen.
Präsentiert wurden Säbelformen, Langstockformen, Speerformen und sogar eine Kettenform. Die ersten drei Plätze gingen an WHKD- Kämpfer aus: Schwerin (1. Platz mit Langstock), Bad Oldesloe (2. Platz mit Säbel) und Berlin (3. Platz mit Säbel). Große Freude bei mir über den erreichten 3. Platz. Zur Siegerehrung wurde ich drei Mal aufgerufen, da ich gerade in der Umkleide war um meine Kampfausrüstung zu holen.
Es ging nämlich sofort in der grün-blau Klasse bis 68 kg weiter. Kopfschutz war dieses Jahr Pflicht, so dass der auch noch schnell ausgeliehen werden musste. Den ersten Kampf gewann ich in der Verlängerung mit 1:0, was Begeisterungsstürme bei meinen mitgereisten "Fans" auslöste. Danach verlor ich und dachte, das wäre es jetzt gewesen. Aber plötzlich kam der Aufruf zum Kampf um Platz 3, den mein Gegner jedoch verdientermaßen gewann.
Zu dem Zeitpunkt war ich schon so gestresst, dass ich fast vergaß, dass ich in noch einer Kampfklasse angemeldet war, die jetzt anstand. Also fließender Übergang in die bis 78 kg- Klasse, deren erste Runde ich glücklich durch Loswahl "überstand". Den nächsten Kampf verlor ich leider. Das war es dann also - dachte ich.
Während der Besprechung des Verlaufs der Kämpfe mit Sihing Renaldo kam jedoch plötzlich der Aufruf zum Kampf um Platz 3. Also Kopfschutz auf und ab ging es. Obwohl ich schon total fertig war und der Gegner mich völlig überrannte, gewann ich 4:2. Riesige Freude über diese Überraschung! Nun ging es schnell zum Umziehen, da es mittlerweile 17.45 Uhr war und wir unseren Zug nach Berlin bekommen mussten. Erneut wurde ich mehrmals zur Siegerehrung aufgerufen (das wurde übrigens der running gag auf der Rückfahrt).
Diesmal schaffte ich es allerdings nicht rechtzeitig da zu sein, so dass Kathi netterweise den Pokal entgegennahm. Auf der Rückfahrt wurden Eindrücke ausgetauscht, geruht, gegessen und noch ein wenig "Logiktrainer" (soweit dies möglich war) und Schach gespielt. Yvonne wurde in Schwerin mit einem tränenden Auge verabschiedet und der Rest kam gegen 22.30 Uhr in Berlin an. Im Ganzen war es ein sehr schöner und auch erfolgreicher Tag.
Andre Kretschmar